Interview Dyskolia- Louis Cyphre

Heute darf ich auf meinem Sofa einen ganz besonderen Gast begrüßen: Louis Cyphre, den kreativen Kopf hinter der Band -La Magra-.

Es ist mir eine große Freude, mit ihm über sein Solo-Projekt Dyskolia zu sprechen – eine musikalische Reise, die längst auch meine Aufmerksamkeit fesselt. Als langjähriger Fan von -La Magra- verfolge ich die Entwicklungen der Band mit großem Interesse und freue mich immer wieder aufs Neue, wenn neue Veröffentlichungen erscheinen. Umso spannender ist es, einen Blick hinter die Kulissen von Louis’ künstlerischer Evolution zu werfen und mehr über die Inspirationen, Herausforderungen und Visionen zu erfahren, die sein Schaffen prägen. Es ist eine echte Ehre, dass Louis sich die Zeit genommen hat, um uns Einblicke in sein aktuelles musikalisches Schaffen zu gewähren.

In welchem emotionalen Zustand ist dieses Soloprojekt entstanden?

Ich glaube es fing nach dem -La Magra- Release „In the dead of night“ an. Die Corona-Zeit war so gut wie überstanden und doch fühlte ich mich recht ausgebrannt.

So fing ich an, Texte zu schreiben indem ich einfach meine Gedanken aufschrieb, um die Vergangenheit und die Gegenwart zu verarbeiten. Den Vorsatz der Gründung eines neuen Projektes hatte ich nicht.

Einige Monde nach dem Erstellen der ersten Texte schrieb mich Pedro von „Acylum“ an, ob ich erneut Zeit und Lust zum Remixen eines Songs für ihn hätte. Mit Begeisterung sagte ich zu und es entstand der Deadly Injection Remix. Die Flächen und Melodien des Acylum-Tracks catchten mich so, dass ich noch einen weiteren Remix des selben Liedes anfertigte. Die dyskolische Stimmung des Remixes passte zu keinem aktuellen Projekt von mir. Um diese besondere Stimmung einzufangen, beschloss ich ein neues Projekt zu gründen und nannte es Dyskolia. Das Feedback zum Dyskolia-Remix inspirierte mich, sodass ich kurze Zeit später auch die Maxisingle „Tortured Soul“ veröffentlichte. Dies war die Geburtsstunde von Dyskolia, wobei die Texte aus der oben genannten Epoche stammen. Sie vereinen rohe industrieller Elektronik und trauriger/depressiver Stimmung.

Was hast du durch diese Songs über dich selbst gelernt?

Ich lernte, dass Gefühle so unberechenbar sind wie das Wetter. Sie können nicht beherrscht werden: vielleicht können sie für eine Weile unterdrückt werden, aber sie lassen sich niemals in eine Richtung schieben, die einem angenehm erscheint.

Welche Zeile oder welcher Moment auf der Veröffentlichung fühlt sich für dich wie ein Wagnis an?

Das ganze Album...ja: vielleicht sogar das ganze Projekt ist ein großes Wagnis, da ich mich der Welt so persönlich öffne wie noch nie zuvor. Das macht mich sehr verletzlich. Jedoch ist das eben das Risiko, das ich mit diesem Schritt ging.

Gibt es etwas, das du bewusst offen gelassen oder nicht ausgesprochen hast?

Nein, da ich doch sehr roh und direkt die Themen bei Dyskolia anspreche.

Wenn dieses Projekt eine Antwort ist – welche Frage steckt dahinter?

Was passiert, wenn man sich in der Dunkelheit verliert und sich seinen Dämonen hingibt.

Worin unterscheidet sich deine Stimme heute von der auf deinen früheren Veröffentlichungen – nicht technisch, sondern als Mensch?

Jeder entwickelt sich über die Jahre immer weiter und so ist es auch mit der Stimme. Ich finde, dass meine Stimme über die Jahre reifer und gediegener klingt als noch am Anfang. Ich versuche – im Gegensatz zu den ersten Veröffentlichungen - mehr Emotionen in die Stimme zu legen: Musik, Text und Gesang fungieren dadurch zusammen als eine Einheit. Früher war meine Stimme einfach nur kalt und verzerrt ohne jegliche Regung. Doch nun stimme ich sie auf jedes einzelne Lied ab.

Welche Überzeugung über Musik oder über dich selbst hast du während dieses Projekts losgelassen?

Ich habe meine selbstauferlegten Grenzen gesprengt und mich bewusst auf Abwege begeben - statt den gewohnten, sicheren Pfad immer wieder und wieder zu gehen.

Was fühlt sich an dieser Veröffentlichung reifer an – und was gleichzeitig verletzlicher?

Musikalisch bin ich weiter an mir gereift und habe gelernt über meine eigenen Grenzen zu gehen. Auch mein Gesang hat einen gewissen Reifeprozess erfahren. Im selben Atemzug bin ich aber auch angreifbarer geworden, da ich meinen Panzer komplett abgelegt habe

Gab es einen Moment, in dem du das Projekt beinahe anders umgesetzt oder sogar verworfen hättest?

Nein, diesen Moment gab es nie.

Was hättest du vor drei Jahren noch nicht schreiben oder erzählen können?

Ich glaube das ganze Album, da ich damals noch nicht bereit war meine Seele so preiszugeben.

Wann wusstest du, dass dieses Projekt mehr ist als nur eine Sammlung neuer Songs?

Jedes Lied erzählt seine eigene Geschichte und dennoch ist das Album als eine Einheit zu betrachten.

Welche kreative Entscheidung fiel dir am schwersten?

Keine, da ich hier mit Herz und nicht mit Verstand gearbeitet habe.

Was hat dich dazu gebracht, ehrlich zu bleiben, obwohl ein einfacherer Weg möglich gewesen wäre?

Das ist einfach zu beantworten: Ich habe den Anspruch auch nach Jahren zu dem zu stehen, was ich erschaffen habe. Mit der Musik will ich ehrlich zu mir sein und mir selbst treu bleiben, denn so bereue ich in der Zukunft nichts. Durch meinen Anspruch der kontinuierlichen Weiterentwicklung würde ich in ein paar Jahren sicher technisch einiges anders machen, aber meine eigenen Kreationen bereue ich nicht.

Die Zukunft ist stets ein steiniger Weg, der viele Möglichkeiten bereit stellt: Ziele, die nicht immer einfach zu erreichen sein werden, aber um die ich bereit bin zu kämpfen. Ein einfacher Weg würde mich auch ganz schnell langweiligen.

Gab es eine frühere Version des Projekts, die du bewusst hinter dir gelassen hast – und warum?

Nein, die gab es nicht.

 Wie fühlt es sich an, diese sehr persönliche Musik jetzt mit anderen zu teilen?

Es ist ein spannender Prozess, meine Gefühle mit „Fremden“ zu teilen.

All die Reaktionen - sowohl die Positiven als auch die Negativen – sauge ich auf, um diese dann wieder weiter zu verarbeiten. Die dabei entstehenden neuen Gefühle und Gedanken treiben mich an und inspirieren mich wieder zu neuen Texten. Es ist ein Kreislauf aus Geben und Nehmen.

Welche Reaktion von Hörer*innen würde dich besonders berühren – auch wenn sie ganz leise ausfällt?

Wenn ich mit meiner Musik das Herz anderer berühren kann. Es gibt für mich nichts Größeres, wenn ich mit meinen Gefühlen auch anderen aus der Seele spreche.

Wie gehst du damit um, wenn Menschen deine Songs völlig anders interpretieren, als du sie geschrieben hast?

Bei Dyskolia sind die Texte eigentlich (bewusst) so direkt geschrieben, dass kaum Spielraum für Interpretation bleibt. Das ist mir bei diesem Projekt sehr wichtig!

Im Gegensatz dazu stehen meine anderen Projekte, denen ich bewusst Interpretationsspielraum gegeben habe.

Mir ist bewusst, dass jeder, der das Zusammenspiel von Text und Musik auf sich wirken lässt, in eine ganz private Stimmung versetzt wird und diese unterschiedlich offen darlegt. Das ist das Faszinierende: jeder von uns hat seine persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und assoziiert somit individuell verschiedenste Bilder und reagiert entsprechend. Somit werden mich sicherlich auch bei diesem Projekt die Interpretationen überraschen.

Was hoffst du, dass Menschen zwischen den Zeilen und zwischen den Songs entdecken?

Ehrliche Gefühle, Trauer...und auch einen Funken Hoffnung.

Was konntest du mit dieser Veröffentlichung für dich abschließen – und was hat sie neu angestoßen?

Da ja viele Texte zeitlich viel eher entstanden sind, habe ich schon vor dem Release mit einigen Sachen abschließen können. Einige Sachen, die während der Produktion des Debüts mit Verlust und Trauer einhergingen, konnte ich somit abschließen.

Neu dazugekommen ist die Art der musikalischen Produktion. Ich habe in der Zeit viel musikalisches Neuland beschritten und riss die limitierende Mauern ein, in denen ich mich über Jahre eingemauert hatte. Die Lieder produzierte ich mit meinem Herz statt mit meinem Verstand.

Wenn dieses Soloprojekt ein stilles Versprechen wäre: An wen oder woran richtet es sich?

Eindeutig ein stilles Versprechen an mich selbst: Folge deinem Herzen, mit allem was du tust. Dann sind auch gemachte Fehler nicht das Ende, sondern Teil eines Reifeprozesses.

Was nimmst du aus diesem Projekt mit in die nächste kreative Phase?

Meine kreative Phasen kommen und gehen, wie es ihnen passt: Sie haben eine eigene unvorhersehbare Dynamik, die ich nur minimal steuern kann. Für die Zukunft wünsche ich mir, mein Herzblut für Musik zu behalten und weiter meinem Herzen zu folgen.

geschrieben von Claudia Tomaszewski

Interview KRIS KNOX

Today we had the great pleasure of welcoming Christian Miconi, arguably the most well-known figure behind the band VLAD IN TEARS, for an inspiring conversation about his solo project KRIS KNOX. As a longtime fan of VLAD IN TEARS, I follow their progress with enthusiasm and always look forward to discovering their latest releases. This makes it all the more exciting, of course, to take a look behind the scenes of Christian’s musical journey and learn more about his solo project. It is a great pleasure for me that Christian took the time to speak with us about his inspirations, challenges, and visions.

What was your emotional state when you created this solo project—and what can be heard between the lines? 

Kris Nox came from a very introspective place. I was dealing with a lot of thoughts, fears, and unanswered questions, and music became a way to transform those emotions into something real. Between the lines, there’s a constant tension between darkness and hope. Even when the songs explore horror, isolation, or obsession, they also speak about survival and the need to keep moving forward.

What did you learn about yourself through these songs? Which line or moment on the release feels like a risk to you? 

I learned that I’m more honest with myself when I create music. Writing these songs forced me to confront emotions and ideas I normally keep hidden. I discovered that vulnerability and darkness can coexist with strength, and that some of the things we fear the most can become powerful sources of inspiration and creativity.

Is there anything you deliberately left open or didn’t say?

Yes. I prefer not to explain everything. Some themes and lyrics are intentionally ambiguous because I want listeners to bring their own experiences and interpretations to the music. Mystery has always been part of horror and dark art, and I think unanswered questions can be more powerful than clear explanations. Not everything needs to be revealed for people to feel something real.

If this project is an answer—what question lies behind it?

The question behind it is probably, “What do you do with the darkness you carry?” For me, the answer was to turn it into music. Instead of running from fears, memories, or obsessions, I wanted to give them a voice and transform them into something meaningful.

How does your voice today differ from the one on your earlier releases—not technically, but as a person?

I think my voice today comes from a place of greater self-awareness. In the past, I was more concerned with expectations and trying to fit into certain ideas. With Kris Nox, I stopped chasing that and focused on being honest. As a person, I feel more comfortable embracing contradictions and imperfections.

What beliefs about music or about yourself did you let go of during this project?

I let go of the idea that music has to follow rules or satisfy expectations. I also stopped believing that I had to hide certain emotions or make everything easier to understand. Sometimes the most powerful art comes from uncertainty and vulnerability. 

What feels more mature about this release—and what feels more vulnerable at the same time?

The maturity comes from accepting who I am creatively and not forcing anything. The vulnerability comes from allowing listeners to see parts of myself that I usually keep hidden. There’s less armor and more honesty.

Was there a moment when you almost approached the project differently or even scrapped it altogether?

There were moments of doubt, definitely. I questioned whether people would understand it or if it was too personal. But I realized that abandoning it would have meant silencing something that needed to exist. In the end, staying true to the vision was more important than playing it safe.

Was there a moment when you almost approached the project differently or even scrapped it altogether?

There were moments of doubt, definitely. I questioned whether people would understand it or if it was too personal. But I realized that abandoning it would have meant silencing something that needed to exist. In the end, staying true to the vision was more important than playing it safe.

What would you not have been able to write or share three years ago?

Three years ago, I probably wouldn't have allowed myself to be this open. I was more afraid of being misunderstood. Today, I’m less interested in hiding behind masks and more interested in expressing what feels real, even when it’s uncomfortable.

When did you realize that this project was more than just a collection of new songs?

I realized it when the songs started speaking to each other. They weren’t isolated pieces anymore; together they formed a world, almost like chapters of the same nightmare. That’s when I understood that VIT had become something bigger than a set of tracks.

Which creative decision was the hardest for you?

The hardest decision was trusting simplicity and emotion instead of overthinking everything. Sometimes the first instinct is the most honest one, and learning to trust that was challenging.

What made you choose to stay true to yourself, even though an easier path was possible?

Because I knew I would regret compromising more than I would regret taking risks. Music means too much to me to treat it like something calculated. I wanted people to hear something genuine, not something designed to fit expectations.

Was there an earlier version of the project that you deliberately left behind—and why?

Yes. There were ideas that felt too concerned with pleasing others instead of expressing something authentic. I left those versions behind because I wanted the project to have its own identity, even if that meant taking a less predictable path.

How does it feel to share this very personal music with others now?

It’s both exciting and terrifying. Once the music is released, it no longer belongs only to me. But that’s part of the beauty of it. Songs become places where listeners can find pieces of themselves.

What kind of reaction from listeners would touch you the most—even if it’s very quiet?

The most meaningful reaction would be someone telling me that a song made them feel understood, or that it stayed with them long after it ended. It doesn’t have to be loud. Sometimes one honest message means more than numbers.

How do you deal with it when people interpret your songs completely differently than you intended?

I actually enjoy it. Once a song is released, it takes on a life of its own. People bring their own experiences and emotions to it, and sometimes their interpretations reveal meanings I never consciously intended. That’s part of what makes art so fascinating.

What do you hope people will discover between the lines and between the songs?

I hope they discover that darkness and vulnerability are not weaknesses. There’s humanity in fear, longing, and uncertainty. Beneath the horror imagery and the shadows, there’s always something deeply human.

What did this release allow you to bring to a close—and what new things did it set in motion?

It allowed me to close a chapter of doubt and self-censorship. At the same time, it opened the door to greater freedom. I feel like this project is the beginning of something rather than the end of something.

If this solo project were a silent promise, to whom or what would it be directed?

It would be a promise to myself: to keep creating honestly and never lose sight of why I started making music in the first place. And maybe also a promise to anyone who connects with these songs—that I’ll always choose authenticity over comfort.  What will you take from this project into your next creative phase? Confidence. Not confidence in having all the answers, but confidence in following my instincts. This project taught me that the most personal ideas are often the ones that connect with people the most. Moving forward, I want to keep exploring without fear and continue building worlds that feel true to who I am and to what I represent. written by Claudia Tomaszewski for TuneSeat

Was there a moment when you almost approached the project differently or even scrapped it altogether?

There were moments of doubt, definitely. I questioned whether people would understand it or if it was too personal. But I realized that abandoning it would have meant silencing something that needed to exist. In the end, staying true to the vision was more important than playing it safe.

What would you not have been able to write or share three years ago?

Three years ago, I probably wouldn't have allowed myself to be this open. I was more afraid of being misunderstood. Today, I’m less interested in hiding behind masks and more interested in expressing what feels real, even when it’s uncomfortable.

When did you realize that this project was more than just a collection of new songs?

I realized it when the songs started speaking to each other. They weren’t isolated pieces anymore; together they formed a world, almost like chapters of the same nightmare. That’s when I understood that VIT had become something bigger than a set of tracks.

Which creative decision was the hardest for you?

The hardest decision was trusting simplicity and emotion instead of overthinking everything. Sometimes the first instinct is the most honest one, and learning to trust that was challenging.

What made you choose to stay true to yourself, even though an easier path was possible?

Because I knew I would regret compromising more than I would regret taking risks. Music means too much to me to treat it like something calculated. I wanted people to hear something genuine, not something designed to fit expectations.

Was there an earlier version of the project that you deliberately left behind—and why?

Yes. There were ideas that felt too concerned with pleasing others instead of expressing something authentic. I left those versions behind because I wanted the project to have its own identity, even if that meant taking a less predictable path.

How does it feel to share this very personal music with others now?

It’s both exciting and terrifying. Once the music is released, it no longer belongs only to me. But that’s part of the beauty of it. Songs become places where listeners can find pieces of themselves.

What kind of reaction from listeners would touch you the most—even if it’s very quiet?

The most meaningful reaction would be someone telling me that a song made them feel understood, or that it stayed with them long after it ended. It doesn’t have to be loud. Sometimes one honest message means more than numbers.

How do you deal with it when people interpret your songs completely differently than you intended?

I actually enjoy it. Once a song is released, it takes on a life of its own. People bring their own experiences and emotions to it, and sometimes their interpretations reveal meanings I never consciously intended. That’s part of what makes art so fascinating.

What do you hope people will discover between the lines and between the songs?

I hope they discover that darkness and vulnerability are not weaknesses. There’s humanity in fear, longing, and uncertainty. Beneath the horror imagery and the shadows, there’s always something deeply human.

What did this release allow you to bring to a close—and what new things did it set in motion?

It allowed me to close a chapter of doubt and self-censorship. At the same time, it opened the door to greater freedom. I feel like this project is the beginning of something rather than the end of something.

If this solo project were a silent promise, to whom or what would it be directed?

It would be a promise to myself: to keep creating honestly and never lose sight of why I started making music in the first place. And maybe also a promise to anyone who connects with these songs—that I’ll always choose authenticity over comfort. 

What will you take from this project into your next creative phase?

Confidence. Not confidence in having all the answers, but confidence in following my instincts. This project taught me that the most personal ideas are often the ones that connect with people the most. Moving forward, I want to keep exploring without fear and continue building worlds that feel true to who I am and to what I represent.

written by Claudia Tomaszewski for TuneSeat

 

 

 

 

 

Interview mit Patty - The Last Decade

Endlich ist es soweit: Das lang ersehnte erste Interview mit unserer absoluten Lieblingsband ist da.

Vielen Dank an dich, Patty, für deine Zeit und dein Engagement – deine Leidenschaft und dein Gespür für die Musik sind unverkennbar.

Wann hast du gemerkt, dass Musik für dich mehr ist als Klang – sondern Sprache?

Ich denke im Alter von etwa 8-10 Jahren als Anfang der 90er auf MTV noch Rock Musik lief.

Welche Seite von dir hört man in deiner Musik, die im Alltag kaum jemand sieht? Wenn deine Musik ein Raum wäre – wie würde er riechen, klingen, sich anfühlen?

Er würde wohl am ehesten nach Patchouli riechen, im Hintergrund wären Synth-Pad artige Streicher Sounds und hin und wieder tauchen Guitar Pick slides, Dive Bombs, Pinch Harmonics mit einem Haufen Echo auf und sonst so verrückte Sounds auf die eine verzerrte Gitarre machen kann.
Grundsätzlich indirektes schummriges warmes Licht.

Welchen Teil deiner Geschichte hast du lange verschwiegen und erst durch Musik ausgesprochen?

Schüchternheit

Gab es einen Moment, in dem du fast aufgehört hättest – und warum bist du geblieben?

Diese Momente habe ich mehrfach im Jahr. Manchmal fragt man sich warum man das eigentlich macht und wenn man dann spielt weiß man es. Zwischen den Noten

Was passiert in dir, kurz bevor ein Song wirklich „ehrlich“ wird?

Da ich ja zum Glück keine Texte schreiben muss ist Musik die an der Gitarre entsteht oder einfach nur Demos immer ehrlich auch wenn Ideen zu keinem Song werden. Zu 99% sitzt man an seiner Gitarre und spielt einfach irgendwas dahin, das ist dann eben auch ehrlich weil nicht drüber nachgedacht wird.

Welche Emotion fällt dir am schwersten zu vertonen – und warum?

Momentan möglicherweise Wut weil wir gefühlt ununterbrochen von Wut umgeben sind und es einfach nur noch darum geht.

Was ist lauter: der Zweifel vor dem Release oder die Stille danach?

Die Stille danach

Welche Wahrheit steckt in deiner Musik, die du nie direkt aussprechen würdest?

Die Wahrheit dahinter ist für die meisten Hörer evtl. komplett unverständlich und unwichtig aber ich beschäftige mich größtenteils bei einem Song mit technischem Kram und weniger dem Inhalt des Themas.

Welche Unsicherheit begleitet dich bis heute – egal wie weit du gehst?

Wie weit andere mit mir gehen wollen.

Wann hat Kritik dich tiefer getroffen als du zugegeben hast?

Wenn ich keinen Einfluss auf das Ergebnis habe welches kritisiert wird, mein Name aber trotzdem drunter steht.

Was hat Musik dir genommen – nicht nur gegeben?

Objektivität im Alltag.

Was hast du über dich gelernt, als ein Song nicht die Reaktion bekam, die du erwartet hast?

Er muss als erstes dir selbst gefallen.

Wo entstehen deine besten Songs – und was musst du dafür aushalten?

Meistens entstehen Songs per Zufall zu unmöglichsten Zeiten, mitten in der Nacht übermüdet und komplett ohne Inspiration. Dann hält man an einer Idee fest die dann schnell euphorisch wird. Diese Arrangements sollten bestenfalls innerhalb eines Tages zu einem Großteil fertig sein da diese Euphorie sonst verfliegt.

Wie viel von dir sitzt mit auf der Bühne – und was bleibt bewusst im Hintergrund?

Sehr viel sitzt mit auf der Bühne. Ich mache ja keine kommerzielle Musik, daher kann ich mir diesen Luxus leisten.

Was fühlt sich verletzlicher an: einen neuen Song zu spielen oder über ihn zu sprechen?

Darüber zu sprechen. Musik ist zum hören da.

Für wen schreibst du, wenn niemand zuhört?

Für mich selber.

Wenn 2026 ein Kapitel deiner Musik wäre – wie würde es heißen?

Hibernation.

Lieber Paddy, ich danke dir, dass du so offen deine Gedanken teilst. Deine Verbindung zur Musik ist tief und ehrlich, und es ist schön zu sehen, wie du durch sie wächst und dich selbst besser verstehst.

geschrieben von Claudia Tomaszewski für TuneSeat